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Samstag, 5. März 2016
Regen
sonnignachts, 15:06h
Regen. Er mochte dieses Gefühl. Bei Regen am Fenster zu stehen und den morbiden Rauch der Zigarette zu inhalieren als wäre er sein Leben. Ins Nichts zu starren, den kondensierenden Atem zwischen den Zügen mit Qualm zu vermischen. Tanzen zu lassen. Er sog diese melancholische Stimmung auf, denn erst seine Anwesenheit machte dieses Schauspiel perfekt, eine Verschmelzung der inneren Wehklage. Jeder Tropfen eine Seele, eine Hoffnung die prasselnd am Boden zerschellte. Auf dem Schreibtisch häuften sich die Blätter, die meisten davon waren jungfräulich Weiß. Es war ihm egal, dass er derzeit eine Schreibblockade hatte, denn was war überhaupt noch wichtig? Am offenen Fenster zu stehen, nach draußen zu blicken, Rauch ein- und auszuatmen und darauf zu warten dass einer der Tropfen ihn treffen und reinwaschen möge. Von allem. Mehr nicht. Viele, viele Geschichten hatte er bereits verfasst, jedoch nie geplant, sie trafen ihn urplötzlich und er musste sich damit beeilen, sie auf Papier festzuhalten bevor sie seinen Fingern wieder entglitten und in den Wirren einer dunklen Ecke seines Kopfes verblassten. Meist vermied er es, seinen Figuren Namen zu geben, denn er fand, dass diese Personifizierung genau das Gegenteil bewirkte. Ist erstmal ein Name gefallen, so werden Charaktere anonym, denn es ist ja nun der Charles, der Jack oder der William, ein eigenständiges Individuum auf das man mit dem Finger zeigen kann. So nimmt man dem Leser jede Chance der Empathie, mitunter sogar der Selbsterkenntnis, der Karthasis. Man darf niemandem die Illusion nehmen, dass es sich in dem Text genau um die Person handelt, die ihn gerade liest. Ein Spiegel. Geschrieben hatte er bereits seit Wochen nicht mehr. Er war mal sehr erfolgreich mit seinen Werken und konnte sich durch sie ein mehr als ordentliches Leben leisten, mit einem großen Grundstück und einem großen Haus. Dieses große Haus beengte ihn nun und er hielt sich hauptsächlich in den oberen Etagen auf. Einst gab es hier Leben.
Die alten Dielen knarzten als er sich vom Fenster weg hin zum Schreibtisch begab. „Totes Holz“ dachte er sich. Er ließ sich in den Sessel sinken. Die Ellenbogen auf dem Tisch, stützte er das Gesicht in seine Hände. Er spürte die rauen Borsten die sein Gesicht zierten. Seit Tagen hatte er sich nicht mehr rasiert. Mal wieder. Er saß einfach nur da und gab sich diesem Gefühl der völligen Leere, das gleichzeitig mit dem Wunsch loszurennen einherging, hin. Wie von selbst wanderte seine Hand zur Schreibtischschublade. Widerwillig ließ sie sich stotternd öffnen. Der Anblick der sich ihm darin bot erfüllte ihn stets mit einer Mischung aus Unbehagen, Angst und Beruhigung. „Scheiße“ dachte er und wuchtete die Schublade zu.
Von dem Fenster hier oben konnte man das Grundstück der Nachbarn einsehen. Und sogar nun, bei diesem Regen, spielte der kleine Nachbarsjunge im Garten. Er saß auf der alten Holzschaukel und bewegte seine Beine in einem stetigen Rhythmus vor und zurück und gewann immer mehr an Schwung. Das Vogelhaus das er einst mit dem Jungen und seinem Sohn gebaut hatte stand schräg dahinter. Viel Zeit hatten sie mit den Nachbarn verbracht, Sonntage zusammen im Garten gesessen, gegrillt und dabei die Kinder beobachtet. Aber als es hart auf hart kam, fühlte er sich im Stich gelassen. Als es passierte fühlte er sich allein. Nicht dass sie je die Chance gehabt hätten irgendetwas zu tun oder ihm in dieser Lage zu helfen, denn wer könnte das schon. Aber nun war er verlassen.
Nur selten verließ er sein Haus, und wenn, dann deckte er sich mit Konserven auf Wochen hinaus ein. Meistens machte er sich nicht einmal die Mühe sie zu erhitzen oder auf irgendeine Art zuzubereiten. Ansonsten bestanden seine Einkäufe hauptsächlich aus Whiskey und Zigaretten.
„Bengel“ dachte er sich, als der kleine Junge hinauf winkte, und wandte den Blick vom Garten der Nachbarn ab. Eigentlich hatte er den Kleinen immer gern gehabt. Schließlich war er selbst mal Vater eines kleinen Jungen gewesen. Nun hatte er niemanden mehr gern, nicht den Nachbarsjungen, nicht sonst einen Menschen, aber am aller wenigsten sich selbst. Das war nicht immer so. Früher war das anders. Aber da war er noch da. Und sie. Damals war er ein „Wir“. Nun wusste er nicht einmal mehr wer er überhaupt war.
Die Post bestand hauptsächlich aus Mahnungen und Werbung, die er immer zu öffnen vermied. Manchmal zündelte er ein bisschen mit seinem Feuerzeug an den Briefen herum um sich daran seine nächste Zigarette anzuzünden und dachte sich dabei „Das habt ihr Wichser jetzt davon.“ Diesmal war es anders. Jemand hatte einen schlichten, weißen Briefumschlag für ihn eingeworfen. Kein Name, keine Adresse, kein Absender. Nichts. „So kriegt ihr mich nicht rum. Wollt mich wohl für dumm verkaufen. Aber ich lass mich nicht verarschen.“ Er beschloss ihn zu vernichten. Zwischen zwei Whiskeys wollte er ihn eigentlich gerade als Zigarettenanzünder verwenden, entschied sich im letzten Augenblick jedoch anders und warf ihn in die Schreibtischschublade. In die Schreibtischschublade. Vielleicht war es eine spontane Eingebung, vielleicht einfach der steigende Alkoholgehalt in seinem Blut, der ihn diese Entscheidung treffen ließ.
Wie oft schon sah er diesen grellen Lichtblitz auf sich zurasen, als er mit dem Auto in die Gegenfahrbahn geriet. Wie oft hörte er den Knall, spürte den heftigen Ruck, bevor sein Bewusstsein aussetzte. Wie oft sah er sich im Krankenhaus zu sich kommen, sah fremde Menschen die trauernde Mienen aufsetzten und ihm auf möglichst schonende Art und Weise beizubringen versuchten, dass seine Frau und sein Sohn den Unfall nicht überlebten. Immer und immer wieder, jeden Tag aufs Neue wurde ihm klar dass sein Leben zerrissen wurde, umgewuchtet durch das Schicksal. Es dauerte lange Zeit bis er verstand was die Worte „Für immer“ in Wirklichkeit bedeuteten. „Wieso zur Hölle habt ihr mich gerettet?“ fragte er sich immer wieder. Er wusste, dass dieses Gefühl, das ihn von nun an im Würgegriff hielt nie wieder loslassen würde. Und mit der Zeit fasste er einen Entschluss.
„Ich komme nach“ der Satz der sich in seinen Kopf brannte. „Ich lass euch nicht alleine.“ Dies waren seine Rechtfertigungen vor sich selbst, die seine Entscheidung begründeten aus dem Leben zu treten, außer Acht lassend wem damit geholfen war und ob er damit überhaupt im Sinne seiner verstorbenen Frau handelte. Und so ging er auch an diesem Abend rüber zur Schreibtischschublade. Nur dass er diesmal gewillt war seinen Entschluss auch in die Tat umzusetzen. Er riss sie auf, schmiss den kleinen Zettel mit der Aufschrift „Heute Nicht“, den er sich einst dorthin gelegt hatte, beiseite und griff nach dem Revolver. Das surrende Kreisen der Trommel, auf das das metallische Klicken des Revolverhammers folgte bezeugten, dass nun alles angerichtet war. Er spürte den kalten Lauf an seiner Schläfe. Es roch nach Öl. Dann hielt er inne. Denn etwas interessierte ihn noch. Er legte die Waffe auf den Tisch und zog den Briefumschlag aus der Schublade. Er riss ihn mit zittrigen Händen auf und lehnte sich gegen die Wand.
Lieber Herr Wagner
Ich habe mich gefragt wieso sie so oft alleine zuhause sind. Früher waren sie oft bei uns. Mama und Papa sagen, dass es im Moment nicht sehr leicht für sie ist und dass sie oft traurig sind, weil Bea und Max gestorben sind. Ich bin auch oft traurig deswegen. Aber ich möchte dass sie wissen, dass sie jederzeit zu mir nachhause kommen können, wenn sie sich alleine fühlen. Ich weiß dass ihre Frau und ihr Sohn uns dann oben von einer Wolke aus zusehen werden und sich mit uns freuen. Max hat so oft von Ihnen gesprochen. Er wollte immer mal werden wie Sie, wenn er groß ist. Vielleicht spielen wir ja mal wieder Tischtennis zusammen.
Ihr Lukas
P.S.: Auf der Rückseite ist ein Bild
Mittlerweile war er an der Wand entlang auf den Boden geglitten. Sein Herz pochte. Als er den Brief umdrehte regten sich seit langer Zeit so etwas wie Emotionen in ihm. Mit Wachsmalern gezeichnet sah er sich selbst, seine Frau und seinen Sohn auf eine grüne Wiese unter einen Kirschbaum gekritzelt. Dahinter stand das Vogelhaus dass sie einst gebaut hatten. In der rechte unteren Ecke stand, kaum zu entziffern, „Von Lukas“. Nicht schlecht für einen 7-Jährigen dachte sich Herr Wagner, bevor es endlich aus ihm herausbrach. Er zerriss den Zettel auf dem „Heute Nicht“ stand leerte die Revolvertrommel, so dass die Patronen klirrend zu Boden fielen. Nie hätte er gedacht, dass er mal von einem Kind gerettet werde würde. Aber jeder kann ein Held sein. Es ist erstaunlich, wie wenig es braucht um einem Menschen zu zeigen, dass die Welt nicht untergegangen ist. Und dann befreite er sich. Er befreite sich von innen heraus. Alles was sich angestaut hatte, brach nun in Wellen aus ihm heraus. Er schluchzte, schrie, sank von einem Fleck zum anderen, wankte, fing sich, griff wie ferngesteuert nach seinen Zigaretten und schritt hinüber zum Fenster. Wie Regen der aus den Augen tropft, dachte er sich. Regen. Er mochte dieses Gefühl. Bei Regen am Fenster zu stehen und den morbiden Rauch der Zigarette zu inhalieren als wäre er sein Leben. Ins Nichts zu starren, den kondensierenden Atem zwischen den Zügen mit Qualm zu vermischen. Tanzen zu lassen. Er sog diese melancholische Stimmung auf, denn erst seine Anwesenheit machte dieses Schauspiel perfekt, eine Verschmelzung der inneren Wehklage.
Die alten Dielen knarzten als er sich vom Fenster weg hin zum Schreibtisch begab. „Totes Holz“ dachte er sich. Er ließ sich in den Sessel sinken. Die Ellenbogen auf dem Tisch, stützte er das Gesicht in seine Hände. Er spürte die rauen Borsten die sein Gesicht zierten. Seit Tagen hatte er sich nicht mehr rasiert. Mal wieder. Er saß einfach nur da und gab sich diesem Gefühl der völligen Leere, das gleichzeitig mit dem Wunsch loszurennen einherging, hin. Wie von selbst wanderte seine Hand zur Schreibtischschublade. Widerwillig ließ sie sich stotternd öffnen. Der Anblick der sich ihm darin bot erfüllte ihn stets mit einer Mischung aus Unbehagen, Angst und Beruhigung. „Scheiße“ dachte er und wuchtete die Schublade zu.
Von dem Fenster hier oben konnte man das Grundstück der Nachbarn einsehen. Und sogar nun, bei diesem Regen, spielte der kleine Nachbarsjunge im Garten. Er saß auf der alten Holzschaukel und bewegte seine Beine in einem stetigen Rhythmus vor und zurück und gewann immer mehr an Schwung. Das Vogelhaus das er einst mit dem Jungen und seinem Sohn gebaut hatte stand schräg dahinter. Viel Zeit hatten sie mit den Nachbarn verbracht, Sonntage zusammen im Garten gesessen, gegrillt und dabei die Kinder beobachtet. Aber als es hart auf hart kam, fühlte er sich im Stich gelassen. Als es passierte fühlte er sich allein. Nicht dass sie je die Chance gehabt hätten irgendetwas zu tun oder ihm in dieser Lage zu helfen, denn wer könnte das schon. Aber nun war er verlassen.
Nur selten verließ er sein Haus, und wenn, dann deckte er sich mit Konserven auf Wochen hinaus ein. Meistens machte er sich nicht einmal die Mühe sie zu erhitzen oder auf irgendeine Art zuzubereiten. Ansonsten bestanden seine Einkäufe hauptsächlich aus Whiskey und Zigaretten.
„Bengel“ dachte er sich, als der kleine Junge hinauf winkte, und wandte den Blick vom Garten der Nachbarn ab. Eigentlich hatte er den Kleinen immer gern gehabt. Schließlich war er selbst mal Vater eines kleinen Jungen gewesen. Nun hatte er niemanden mehr gern, nicht den Nachbarsjungen, nicht sonst einen Menschen, aber am aller wenigsten sich selbst. Das war nicht immer so. Früher war das anders. Aber da war er noch da. Und sie. Damals war er ein „Wir“. Nun wusste er nicht einmal mehr wer er überhaupt war.
Die Post bestand hauptsächlich aus Mahnungen und Werbung, die er immer zu öffnen vermied. Manchmal zündelte er ein bisschen mit seinem Feuerzeug an den Briefen herum um sich daran seine nächste Zigarette anzuzünden und dachte sich dabei „Das habt ihr Wichser jetzt davon.“ Diesmal war es anders. Jemand hatte einen schlichten, weißen Briefumschlag für ihn eingeworfen. Kein Name, keine Adresse, kein Absender. Nichts. „So kriegt ihr mich nicht rum. Wollt mich wohl für dumm verkaufen. Aber ich lass mich nicht verarschen.“ Er beschloss ihn zu vernichten. Zwischen zwei Whiskeys wollte er ihn eigentlich gerade als Zigarettenanzünder verwenden, entschied sich im letzten Augenblick jedoch anders und warf ihn in die Schreibtischschublade. In die Schreibtischschublade. Vielleicht war es eine spontane Eingebung, vielleicht einfach der steigende Alkoholgehalt in seinem Blut, der ihn diese Entscheidung treffen ließ.
Wie oft schon sah er diesen grellen Lichtblitz auf sich zurasen, als er mit dem Auto in die Gegenfahrbahn geriet. Wie oft hörte er den Knall, spürte den heftigen Ruck, bevor sein Bewusstsein aussetzte. Wie oft sah er sich im Krankenhaus zu sich kommen, sah fremde Menschen die trauernde Mienen aufsetzten und ihm auf möglichst schonende Art und Weise beizubringen versuchten, dass seine Frau und sein Sohn den Unfall nicht überlebten. Immer und immer wieder, jeden Tag aufs Neue wurde ihm klar dass sein Leben zerrissen wurde, umgewuchtet durch das Schicksal. Es dauerte lange Zeit bis er verstand was die Worte „Für immer“ in Wirklichkeit bedeuteten. „Wieso zur Hölle habt ihr mich gerettet?“ fragte er sich immer wieder. Er wusste, dass dieses Gefühl, das ihn von nun an im Würgegriff hielt nie wieder loslassen würde. Und mit der Zeit fasste er einen Entschluss.
„Ich komme nach“ der Satz der sich in seinen Kopf brannte. „Ich lass euch nicht alleine.“ Dies waren seine Rechtfertigungen vor sich selbst, die seine Entscheidung begründeten aus dem Leben zu treten, außer Acht lassend wem damit geholfen war und ob er damit überhaupt im Sinne seiner verstorbenen Frau handelte. Und so ging er auch an diesem Abend rüber zur Schreibtischschublade. Nur dass er diesmal gewillt war seinen Entschluss auch in die Tat umzusetzen. Er riss sie auf, schmiss den kleinen Zettel mit der Aufschrift „Heute Nicht“, den er sich einst dorthin gelegt hatte, beiseite und griff nach dem Revolver. Das surrende Kreisen der Trommel, auf das das metallische Klicken des Revolverhammers folgte bezeugten, dass nun alles angerichtet war. Er spürte den kalten Lauf an seiner Schläfe. Es roch nach Öl. Dann hielt er inne. Denn etwas interessierte ihn noch. Er legte die Waffe auf den Tisch und zog den Briefumschlag aus der Schublade. Er riss ihn mit zittrigen Händen auf und lehnte sich gegen die Wand.
Lieber Herr Wagner
Ich habe mich gefragt wieso sie so oft alleine zuhause sind. Früher waren sie oft bei uns. Mama und Papa sagen, dass es im Moment nicht sehr leicht für sie ist und dass sie oft traurig sind, weil Bea und Max gestorben sind. Ich bin auch oft traurig deswegen. Aber ich möchte dass sie wissen, dass sie jederzeit zu mir nachhause kommen können, wenn sie sich alleine fühlen. Ich weiß dass ihre Frau und ihr Sohn uns dann oben von einer Wolke aus zusehen werden und sich mit uns freuen. Max hat so oft von Ihnen gesprochen. Er wollte immer mal werden wie Sie, wenn er groß ist. Vielleicht spielen wir ja mal wieder Tischtennis zusammen.
Ihr Lukas
P.S.: Auf der Rückseite ist ein Bild
Mittlerweile war er an der Wand entlang auf den Boden geglitten. Sein Herz pochte. Als er den Brief umdrehte regten sich seit langer Zeit so etwas wie Emotionen in ihm. Mit Wachsmalern gezeichnet sah er sich selbst, seine Frau und seinen Sohn auf eine grüne Wiese unter einen Kirschbaum gekritzelt. Dahinter stand das Vogelhaus dass sie einst gebaut hatten. In der rechte unteren Ecke stand, kaum zu entziffern, „Von Lukas“. Nicht schlecht für einen 7-Jährigen dachte sich Herr Wagner, bevor es endlich aus ihm herausbrach. Er zerriss den Zettel auf dem „Heute Nicht“ stand leerte die Revolvertrommel, so dass die Patronen klirrend zu Boden fielen. Nie hätte er gedacht, dass er mal von einem Kind gerettet werde würde. Aber jeder kann ein Held sein. Es ist erstaunlich, wie wenig es braucht um einem Menschen zu zeigen, dass die Welt nicht untergegangen ist. Und dann befreite er sich. Er befreite sich von innen heraus. Alles was sich angestaut hatte, brach nun in Wellen aus ihm heraus. Er schluchzte, schrie, sank von einem Fleck zum anderen, wankte, fing sich, griff wie ferngesteuert nach seinen Zigaretten und schritt hinüber zum Fenster. Wie Regen der aus den Augen tropft, dachte er sich. Regen. Er mochte dieses Gefühl. Bei Regen am Fenster zu stehen und den morbiden Rauch der Zigarette zu inhalieren als wäre er sein Leben. Ins Nichts zu starren, den kondensierenden Atem zwischen den Zügen mit Qualm zu vermischen. Tanzen zu lassen. Er sog diese melancholische Stimmung auf, denn erst seine Anwesenheit machte dieses Schauspiel perfekt, eine Verschmelzung der inneren Wehklage.
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