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Donnerstag, 3. März 2016
Amir und Samira (2)
Samira war ein kluges Mädchen, das Lesen, Schreiben und Rechnen konnte. Sie sprach sogar ein bisschen Englisch, denn damals, bevor der Krieg über das Land herfiel, hatte sie eine gute Schule besucht und war stets fleißig. Aber am wichtigsten für Amir war, dass sie nicht sonderlich nachtragend war. Natürlich wusste sie, dass er den Stein geworfen hatte, sie ging schließlich an jenem Morgen extra auffällig langsam an seinem Haus vorbei. So oft hatte sie immer wieder am Fenster nach ihm Ausschau gehalten, aber mit der Zeit schien es ihr so, als würde er niemals nach draußen gehen. Dabei hatten sie sich doch genau dort das erste Mal gesehen, an dem Tag als sie mit ihrer Familie in ihr neues Heim, oder besser gesagt „Loch“, wie ihre Mutter es nannte, gezogen waren. Für sie trug der Junge etwas unbekümmert Leichtes in seinem Sein, dass sie jeher anzog, denn tief im Inneren war es diese Leichtigkeit und Sorglosigkeit wonach sie sich am meisten sehnte.

Amir folgte ihr noch bis zum Brunnen, er sagte mit ihrem kaputten Bein könne sie ja gar nicht richtig laufen, obwohl das nicht stimmte. Er quälte sich mit dem Krug, der zu seinem Glück vom Sturz verschont geblieben war und bemühte sich, sich seine Anstrengung nicht anmerken zu lassen.
Als sie wieder zuhause angekommen waren, blieben sie kurz vor der Haustür stehen.

„Bist du ein Engel?“
„Wie kommst du darauf?“
„Ich habe mir Engel immer so wie dich vorgestellt.“
„Du bist ein komischer Junge, Amir.“
„Aber wenigstens eine Prinzessin?“
„Eine Prinzessin?“
„Ja. Das bist du.“
„Und wo ist dann mein Schloss? Und mein Prinzessinenturm?“
„Ich weiß wo.“
„Ach ja?“
„Komm heute Abend wenn es dämmert zum Brunnen. Dann zeig ich es dir.“
„Ich kann es dir nicht versprechen.“
„Also abgemacht.“

Schon seit dem frühen Nachmittag wartete Amir am Brunnen. Er beobachtete streunende Hunde, die unter der Hitze hechelten und vergebens nach einer schattigen Stelle suchten. Endlos schienen die Stunden, irgendwann dachte er schon sie würde gar nicht kommen, bis er sie leichtfüßig um die Ecke schreiten sah. In der untergehenden Abendsonne schien sie zu strahlen.

„Du musst mir vertrauen Samira.“ Sagte er zur Begrüßung.
„Wäre das nicht ziemlich naiv von mir?“
„Jetzt komm mir nicht mit Fremdwörtern. Vertraust du mir?“

Er streckte seine Hand nach ihrer aus.
Sie griff zu.

Durch verwinkelte Gassen, durch Trümmer und Seitenstraßen hinweg bahnten sie sich ihren Weg. Treppen an Mauern die einst Häuser waren, erklimmend, schien es immer weiter höher zu gehen, bevor sie schließlich an einer Hölzernen Leiter ankamen, die vom Flachen Dach eines hohen Gebäudes nach unten ragte. Überraschenderweise sah das Haus bis auf ein paar geplatzte Scheibe noch sehr intakt aus und thronte geduldig und wachsam über den anderen, kleineren Häusern.

„Das ist dein Turm, Samira. Und da gehen wir jetzt hinauf.“

Ohne eine Reaktion abzuwarten begann er die Leiter hinaufzusteigen. Zwischendurch blickte er kurz nach unten und stellte zu seiner Erleichterung fest, dass sie ihm folgte. Und dann sah sie es. Ein Meer aus Lichtern, das sich zu ihren Füßen ausbreitete, ein Ort der Zuflucht, eine Welt in einer Welt in einer Welt. So einen Anblick hatte sie zuvor noch nie gesehen.

„Amir“
„Ja?“
„Danke“

Von nun an war dies ihr Platz. Jeden Abend trafen sie sich auf dem Dach und redeten und redeten, bis in die frühen Morgenstunden hinein. Amir war stets zuerst da und wartete geduldig, doch Samira kam immer pünktlich.

„Weißt du Samira, wenn ich groß bin werde ich eines Tages nach New York ziehen. Dann lade ich dich zu mir ein. Autos haben sie da und Fernseher. Riesige Häuser, noch viel, viel größer als dieses hier. Ich baue uns ein schönes Haus in dem wir und unsere ganze Familie Platz haben werden. Bloß dein Onkel kriegt ein eigenes kleines Haus im Garten.“ Sagte er lachend.

„Würdest du gerne von hier weggehen, Amir?“

„Eines Tages bestimmt. Es ist nur noch Schutt und Staub, es sind viele Dinge, die nicht mehr so sind wie sie sind, aber jemand muss sie doch wieder so machen wie sie sind und wer soll das tun wenn alle weggehen?“

„Meine Mama sagt, sie will so schnell wie möglich weg von hier. Aber es wäre schade, findest du nicht? Irgendwie mag ich dich, Amir“

Bald waren sie untrennbar. Als Amir herausfand wie gebildet Samira war löcherte er sie mit Fragen. Was weißt du über Europa, was genau ist Basketball, hast du schon mal ein Buch gelesen? Eines Abends auf dem Dach öffnete sich Amir ihr und gab zu, dass er gar nicht richtig Lesen und Schreiben konnte. Von diesem Tag an wurde sie seine Lehrerin. Es war mühsam, sie hatten weder Papier noch Stifte und mussten die Buchstaben mit Stöcken in den Sand malen, aber Amir lernte schnell.

Es dauerte nicht lange, und Amir zog eines Abends auf dem Dach einen Zettel aus seiner zerschlissenen Hose und überreichte ihn schüchtern an Samira. In kindlicher, zittriger Schrift stand darauf geschrieben:

Ana behabak Samira

„Oh Amir“

Ihre Augen glitzerten und sich warf sich ihm in die Arme.

„Aber weißt du überhaupt, was Liebe ist?“
Amir blickte einen Augenblick stumm auf das Lichtermeer dass sich von hier oben vor ihren Augen auftat.
„Nein. Aber mein Großvater wusste es. Mein Junge, sagte er, die Liebe ist das Größte und das Schönste was einem Menschen begegnen kann. Auch wenn du sie nicht kennst, so weißt du doch dass es Liebe ist, sobald du ihr begegnest. Du kannst fliegen, du kannst mit den Fischen tauchen und alles erscheint auf einmal ganz leicht und warm. Ein Stück vom Himmel breitet sich auf Erden aus. Aber ich möchte dich nicht anlügen mein Junge, denn oft ist es leider so dass auch die Liebe wieder geht und dich aus einem See von Tränen beinahe ertrinken lässt. Weißt du, der Mensch lernt leider oft die Dinge erst zu schätzen, wenn er sie nicht hat, noch mehr aber, wenn er sie einst besaß und sie wieder von ihm gehen. Aber weißt du was das Schöne ist? Jede einzelne Träne die vergossen wird, wird es wert sein geweint zu werden. Denn erst dadurch wird dir bewusst wie groß und wunderbar die Zeit war die du erleben durftest. Und deshalb, Amir, sei dankbar für jede Träne die du weinen darfst, wenn es so weit ist. Und ich glaube meinem Großvater, er war ein weiser Mann. Er hat oft erzählt, dass er mal einen Vogel mit bloßen Händen aus der Luft gefangen hat, auch wenn ich nicht weiß ob das stimmt.“

Als sie an diesem Abend Hand in Hand nachhause gingen, stand Samiras Onkel mit verschränkten Armen vor dem Haus. Oh oh, dachte sich Amir, aber der Blick des Onkels schien auf einmal mild zu werden.

„Möchtest du nicht zum Essen bleiben?“

Er wollte.

Unzählige Male verbrachte sie ihre Abende zusammen, sprachen über die Zukunft, über Hoffnungen, über Träume, über Geister und Dämonen, über Verwandte die der Krieg verschlungen hatte und die nie wieder zurückkehren würden. Doch so traurig die Themen auch wurden, nie ging eine Nacht ohne ein Lachen zu Ende.

„Wie viele Kinder wollen wir mal haben? Weißt du Samira, wenn ich groß bin werde ich Millionär. Und nur noch Anzüge tragen. Und richtige Schuhe. Und wir werden einen Koch haben, damit Mama sich nicht immer so anstrengen muss. Warst du schon mal in einem Kino? Ich baue uns ein eigenes. Wir werden reisen und die ganze Welt sehen. Und wenn uns mal nicht danach ist liegen wir den ganzen Tag in unserem Garten unter den Bäumen und essen Weintrauben. Wir lassen uns damit füttern. Dafür stelle ich extra jemanden ein und er wird keine andere Aufgabe haben als uns mit Weintrauben zu füttern. Und von dem ganzen Geld werde ich die ganze Stadt hier wieder aufbauen lassen. Schulen und Krankenhäuser wird es geben und sie werden uns ein Denkmal bauen.“

Der Weg hin zum Dach war relativ lang und lud oft zum Nachdenken und Träumen ein, doch dieses eine Mal nahm er ihn ganz bewusst wahr, jeden einzelnen Schritt, jede Windböe, jedes Geräusch und jeden Geruch.

Er war wieder der erste auf dem Dach und oben angekommen legte er sich auf den warmen Boden, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und blickte zum Himmel. Nachdem er fast eingedöst war, spürte er eine weiche Hand auf seiner Schulter, die ein Lächeln in sein Gesicht zauberte.

„Amir“
„Samira“
„Glaubst du, dass es je wieder Hoffnung für unser Land gibt? Es sah so viel Leid… Wie sollte es je wieder werden wie es einst war? Wie sollte es sich jemals davon erholen?“
„Ich sah Kisten vor eurem Haus. Und sogar ein Auto. Mein Vater hatte auch mal ein Auto. Als ich klein war durfte ich sogar mal lenken.“
„Ich gehe bald“
„Ich weiß“
„Du wirst mir fehlen, Amir. Mama sagt es geht nicht anders. Hier gibt es nichts für uns. Nur den Tod.“
Eine Weile lagen sie still nebeneinander, wie selbstverständlich trafen sich ihre Hände und er hielt die ihre fester als je zuvor. Dann deutete er nach oben.
„Weißt du was die Sterne bedeuten, Samira?“
„Nein. Was bedeuten sie?“
„Sie passen auf uns auf. Sie sind dort oben um uns Mut zu schenken. Und Hoffnung.“
„Woher willst du das wissen?“
„In der Nacht, haben viele Leute am meisten Angst. Angst davor alleine zu sein. Aber genau in unserer dunkelsten Stunde erwachen sie. Stern um Stern. Und zeigen uns, dass wir nicht alleine sind. Dass es in jeder Dunkelheit auch Licht gibt. Und füllen den Tintenblauen Himmel mit Trost. Das kann kein Zufall sein.“
„Wie schön.“
„Siehst du den da?“
„Welchen? Den Großen?“
„Genau. Willst du ihn haben?“
„Wie geht denn sowas?“
„Ich schenk ihn dir. Und wo auch immer du hin gehst, wird er für dich leuchten. Und dich an mich erinnern.“
„Weißt du, dafür brauche ich keinen Stern.“

Er wusste, dass er sie heute zum aller letzten Mal in seinem Leben sehen würde. Doch auch wenn er wusste, dass sie ab Morgen nie wieder die Leiter heraufkommen würde und er noch sehr, sehr oft alleine hier oben auf dem Dach sitzen und sie vermissen würde, kam in diesem Augenblick keine Wehmut in ihm auf. Denn gerade jetzt saß sie hier oben und sie war bei ihm, ihren Kopf an seine Schulter gelegt, kurz davor einzuschlafen. Ja, bald würde sie weg sein. Aber nicht jetzt, nicht hier und auch nicht heute.

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Amir und Samira (1)
Er war ein 13 Jahre alter Junge aus einfachen Verhältnissen und trotzdem konnte man von ihm nicht sagen, dass er dumm war. Die Schulen waren schon lange geschlossen, dennoch war er neugierig und wissenshungrig, mit einer manchmal vielleicht zu ausschweifenden Fantasie. Seine Kleidung war abgetragen und löchrig, Schuhe hatte er keine, was aber, bis auf die Mittagsstunden, in der die Sonne auf seine dunkle Haut hinabbrannte, für ihn kein wirkliches Problem darstellte. In seiner Stadt wunderte sich niemand über seine Erscheinung, denn zwischen den Bergen aus Schutt und Asche die die vielen Bomben hinterlassen hatten, gab es dutzende solcher Kinder. Er hatte die Welt stets mit anderen Augen gesehen. Für ihn war seine Umgebung ein einziges Abenteuer. Schlösser, Drachen und Hexen, Geschichten von großen Kriegern und noch größeren Triumphen. Er war aufgeschlossen, jedoch nicht naiv und trug ein großes Herz am rechten Fleck. Er kletterte durch die Ruinen, die für ihn Höhlen waren, in deren geheimen Seen unsagbar kostbare Schätze schlummerten. Er trieb sich lieber allein durch die Straßen, als mit den anderen Kindern Ball zu spielen, oder auch die letzten Fensterscheiben, aus verlassenen Häusern, oder besser gesagt aus dem, was davon übrig war, mit Steinen zu bewerfen. Seine Eltern hatten größere Sorgen und konnten sich nicht viel um ihn kümmern, denn es ging vor allem darum irgendwie zu überleben. Trotzdem half er zuhause wo er nur konnte. Er hatte keine Geschwister. Nicht mehr. Deshalb bürdeten ihm seine Eltern nicht allzu viele Aufgaben auf und achteten stets darauf, dass er genug Zeit für sich selbst fand und wenigstens in seinem Kopf aus diesem Schrecken der Wirklichkeit entfliehen konnte. Die meiste Zeit des Tages war er alleine. Immer, außer Abends.

Sie war ein 12 Jahre altes Mädchen, das ursprünglich aus gutem Hause kam und dessen Familie es an nichts mangelte. Sie trug schöne Kleider, was ihr nicht nur die Gunst, sondern auch den Neid vieler Kinder ihres Alters einbrachte. Sie lebten in einem großen Haus mit riesigem Grundstück, bis zu dem Tag an dem eine Splitterbombe ihr Heim zusammen mit ihren Zukunftsträumen und ihrer Hoffnung zermalmte. Alles war verloren, ihr Vater gefallen, so dass ihr Onkel das Familienoberhaupt übernahm. Sie hatte sich zusammen mit ihrer Mutter und ihren zwei kleinen Schwestern in einem einfachen Haus mit flachem Dach einquartiert und das Leben wurde hart, gefährlich und entbehrlich. Vom einen auf den anderen Tag wurde sie ihrer Kindheit beraubt und dazu gezwungen erwachsen zu werden. Meistens verbrachte sie ihre Tage damit Wasser zu holen, die Trümmer nach brauchbarem zu durchsuchen, zu betteln oder sich um ihre Geschwister zu kümmern. Sie beneidete die Kinder, die scheinbar sorglos durch die Straßen liefen und lachten und spielten. Die meiste Zeit des Tages fühlte sie sich einsam, wenn nicht gar verlassen. Immer, außer Abends.
Ergreife stets die Gelegenheit beim Schopfe, denn niemand weiß ob sie je zurückkehren wird. Das hatte ihm sein Großvater früher immer gesagt. Und so zögerte er nicht lange, als er eines Tages dieses Mädchen mit den flaschengrünen Augen und dem schwarzen Haar, zusammen mit einer gebückt gehenden, in sich gekehrten Frau und zwei weiteren kleinen Mädchen in das Haus nebenan einkehren sah. Beladen mit Bündeln und Säcken und einem Holzkarren, der aussah als würde er beim nächsten Windstoß auseinander brechen, zogen sie ein. Eigentlich ein eher trostloses Bild, dennoch war er sofort von dem Mädchen verzaubert, auch wenn sie ihn scheinbar gar nicht registrierte. Hinter ihnen ging ein Mann, ungefähr in der Mitte seines Lebens angekommen, das dunkle Haar mit grauen Tupfern durchzogen, genau wie sein kurzer borstiger Dreitagebart. Das muss wohl ihr Vater sein, dachte sich der Junge und ging zielstrebig auf ihn zu. So oft hatte er Drachen besiegt und Schlachten geschlagen, ein edler Prinz auf seinem Rosse. Und was ein echter Prinz ist, der will auch eine Prinzessin haben.

„Verzeihen Sie, Sayyidi.“
„Wir haben nichts Junge. Versuch dein Glück woanders.“
„Mein Name ist Amir und ich bitte sie hiermit förmlichst darum, um die Hand ihrer Tochter anhalten zu dürfen.“

Er ging auf die Knie und senkte den Kopf nach unten, die rechte Handfläche richtete er nach oben, als würde dort ein unsichtbarer Verlobungsring thronen.
Der Mann schaute ihn verdutzt an. Die sind ja noch bescheuerter hier als man sich erzählt, dachte er. Er blickte sich um, als würde er prüfen wollen ob jemand diese groteske Szene miterlebt hatte, aber nirgendwo regte sich etwas. Scheinbar ist das hier normal, dachte er, drehte sich um und ging ins Haus. Kurz bevor er drinnen war drehte er den Kopf leicht nach links, so dass er sehen konnte wie dieser seltsame Junge noch immer auf dem Boden kauerte.

„Sie ist meine Nichte.“ Sagte er und verschwand im Haus.

Die Nichte also. Die Nichte des edlen Grafen Graubart, dachte sich Amir. Keine Sorge, ich befreie dich aus deinem Verließ.

Was sich gar nicht als so leicht herausstellen sollte. Fortan verbrachte er seine Tage damit, an dem Fenster seines Hauses zu kauern, wie ein Wolf der auf der Jagd liegt, um Ausschau nach seiner angebeteten zu halten. Bald schon machten sich seine Eltern Sorgen um ihn.

„Glaubst du wir haben ihn falsch erzogen?“
„Ich sag dir du darfst ihm nicht immer nur Datteln zu essen geben“
„Er war doch immer so ein anständiger Junge?“
„Datteln sind Obst“
„Was sucht er denn bloß dort?“
„Und Obst gärt im Magen und wird zu Alkohol. Das verdreht dem Jungen jetzt den Kopf“
„Was gibt es denn da draußen? Bin ich eine schlechte Mutter?“
„Immer nur Datteln und Brot. Wann gibt es mal wieder Fleisch?“

Dennoch blieb er hartnäckig und machte dem Onkel der Prinzessin noch mindestens sieben weitere Heiratsanträge, bis dieser beschloss, nicht mehr mit dem Jungen zu reden.
Eines Tages, es war noch recht früh, schreckte Amir auf. Er war eingeschlafen, wurde aber glücklicherweise von dem quietschenden Geräusch, dass die Haustür der Nachbarn machte, geweckt. Das Geräusch kannte er mittlerweile sehr gut, leider hatte er bis jetzt noch nie das Glück gehabt, sein Mädchen daraufhin ein oder ausgehen zu sehen. Doch dieses Mal hatte sich das Warten gelohnt. Mit einem schweren Tonkrug in den Händen machte sie sich auf den Weg durch den Sand. Sofort verließ Amir das Elternhaus um ihr unauffällig zu folgen. So oft hatte er sich diesen Moment vorgestellt, so sehr darauf hin gefiebert. Doch leider hatte nie weiter gedacht als jetzt. Was soll ich überhaupt zu ihr sagen? Wie spricht man eigentlich ein Mädchen an? Um seine Beute zu erlegen, muss man sie erstmal zu Fall bringen, also hielt er es für eine gute Idee einen Stein auf das Mädchen zu werfen, der sie am Knöchel traf, ins Wanken brachte, und schließlich hinfallen ließ. Was bist du nur für ein Idiot, dachte sich Amir und versteckte sich hinter der nächsten Hauswand. Hoffentlich ist der Krug nicht kaputt, denn sonst bringt mich ihr Onkel um. Mist, dachte er sich, stieß sich von der Hauswand ab und lief zu dem am Boden liegenden, fluchenden Mädchen.

„Geht es dir gut?“
„Warst du das?“
„Was denn?“
„Hast du den Stein geworfen?“
„Welchen Stein?“
„Tu nicht so. Du bist der Einzige in der Nähe.“
„Ich gehe immer um 5 Uhr morgens spazieren und schaue ob in der Stadt alles in Ordnung ist. Eigentlich wollte ich dir nur zur Hilfe eilen.“
„Dann bist du also ein Held.“
Er reichte ihr seine Hand.
„Mein Name ist Amir“
„Samira.“ Sagte sie und wirkte etwas weniger grimmig.
„Ist dein Krug noch heile? Dein Onkel bringt mich sonst um.“

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